Christiane Kunz-Weiß Dipl.-Restauratorin (FH)
mit Einfühlungsvermögen und Fachwissen dem damaligen künstlerischem Wirken nachspüren.

Auf dem Gerüst

„Die Restauratoren sind da. Komm mal mit und schaue dir das an!“ Und so stand ich bereits als Schülerin mit meinem Vater auf dem Gerüst unter der barocken Kirchendecke und wusste sofort „ DAS will ich auch machen!“ Während mein Vater und Jahrzehnte zuvor auch schon mein Opa die Wandflächen in unserer Dorfkirche in der Wetterau renovierten, interessierten mich vor allem die figuralen und dekorativen Wand- und Deckengemälde. Wie haben die Meister vor Jahrhunderten ihre Werke erschaffen? Und wie gelingt es, diese zu erhalten?

Der Umweg, der keiner war

Die Möglichkeiten ein – für das Studium erforderliches – Praktikum in der Restaurierung zu absolvieren sind rar. So startete ich in der Wetterau mit einer Ausbildung zur Maler- und Lackierergesellin bei einem Restaurator im Handwerk, sammelte weitere Berufserfahrungen in einem Restaurierungsatelier in Baden-Württemberg und arbeitete als Malergesellin im elterlichen Betrieb. Meine handwerkliche Ausbildung schloss ich schließlich – bereits in der dritten Generation –mit bestandener Prüfung zur Maler- und Lackierermeisterin ab. Ein fundamentaler Baustein war gelegt, den ich nicht als Umweg, sondern als bereichernden Lern- und Erkenntnisgewinn sehe: Sicherer Umgang mit Pinsel und Farbe, gerüsterfahren, keine Angst vor großen Flächen, Planung von Maßnahmen, Arbeitskonzepte erstellen und Schriftverkehr bewältigen.

Zwischen Kirchen und Schlössern

Mein Ziel Restauratorin zu werden verlor ich dabei nicht aus dem Blick. Es folgten zwei intensive Praktikumsjahre, die mir die Restaurierung von allen Seiten zeigte: Ihre Mischung aus Kunst, Naturwissenschaft, kreativem Denken und manueller Arbeit! Ich arbeitete in Kirchen und Schlössern, an Skulpturen und Wänden. Befasste mich mit Reinigung, Freilegung, Konservierung, Retusche und Befunderhebung. Lernte Festigungsmittel, Sumpfkalk, Pigmente und Kreidegrund kennen. Führte die Polimentvergoldung und Polierweißfassung aus. Rekonstruierte Ornamentbänder und ergänzte Fehlstellen in Wand- und Deckengemälden.

Studium

Und schließlich das Restaurierungsstudium (an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Institut für Restaurierung, Hildesheim, Fachrichtung: Wandmalerei und Steinobjekte) mit Diplomabschluss im Juli 1999.

Geschafft – der Kreis schließt sich

Seitdem arbeite ich freiberuflich als Diplom-Restauratorin (FH) – und bis heute gleicht keine Restaurierung der anderen. Jedes Objekt, ob groß oder klein, fordert einen frischen, konzentrierten Blick, eine sorgfältige Annäherung und besondere Hingabe.

So schloss sich für mich auf besondere Weise der Kreis, als ich 2014 die barocken Wand- und Deckenmalereien meiner einstigen Heimatkirche als selbstständige Diplom-Restauratorin gemeinsam mit meinem Team restaurieren durfte. Noch immer bin ich neugierig darauf, historische Schichten aufzuspüren und diese voller Wertschätzung zu erhalten.

Vita

Seit 2016Engagement: Mitglied im Denkmalbeirat des Wetteraukreises in Hessen
Seit 2000Selbstständige, freiberufliche Diplom-Restauratorin (FH): Nach anfänglicher restauratorischer freier Mitarbeit zunehmend Bearbeitung eigenständiger Objekte, auch Leitung und Ausführung von größeren Projekten in Zusammenarbeit mit FachkollegInnen.
1994 – 2000Restaurierungsstudium an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Institut für Restaurierung, Hildesheim, Fachrichtung: Wandmalerei und Steinobjekte mit Diplomabschluss im Juli 1999 mit anschließendem Vertiefungssemester.
1992 – 1994Studienvorbereitende Praktika im Bischöflichen Ordinariat Mainz (Restaurierung des Hochaltars in der Seminarkirche zu Mainz) und bei der Restaurierungswerkstatt Hangleiter GmbH in Otzberg-Lengfeld.
1991 – 1992Handwerkliche Fortbildung an der Kerchensteiner Schule EFS Wiesbaden mit Abschluss zur staatlich geprüften Maler- und Lackiererin und zur Maler- und Lackierermeisterin.
1989 – 1991Berufserfahrung im Handwerk und in der Restaurierung: Restauratorische Arbeiten im Restaurierungsatelier Schmid in Mössingen und Tätigkeit als Malergesellin im elterlichen Betrieb in Bad Homburg-Ober Erlenbach.
1987 – 1989Handwerkliche Ausbildung bei Maler- und Lackierermeister und Restaurator im Handwerk M. Breitmoser in Rockenberg-Oppershofen mit Abschluss zur Maler- und Lackierergesellin

Ob Voruntersuchung, Restaurierung oder ein einzelnes Erinnerungsstück – ich freue mich auf Ihre Anfrage.